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70 Jahre BoBo I

07.07.2017

Ein besonderes Jubiläum

Mit der Ablieferung der ersten Lok des Typs Ge 4/4 I Nr. 601 (auch unter «BoBo I» bekannt) am 8. Juli 1948 erfolgte ein Quantensprung in der Traktionstechnik der Rhätischen Bahn (RhB). Die RhB stellte vor 70 Jahren die erste laufachslose Elektrolok ohne Stangenantrieb in den Dienst.

Drei Firmen, die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur (SLM), die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) und die Brown Boveri Münchenstein (BBC) waren in der Entwicklung dieser damals sehr modernen und leistungsfähigen (1600 PS) Lok involviert. Die zehn abgelieferten RhB-Lokomotiven dominierten während Jahrzehnten das Bild der Traktionsfahrzeuge und verstärkten den durch die legendären Krokodilloks aus den 20er Jahren geprägten RhB-Fuhrpark. Während ihrem Einsatz auf dem Stammnetz (ganzes Netz mit Ausnahme der Berninalinie) mussten sich die «Damen» verschiedenen Liftings unterziehen. Die auffälligsten «kosmetischen» Eingriffe betrafen dabei die Modernisierung und den Ersatz der alten Führerstände durch eine auch optisch völlig neue Frontpartie. Alle massgeblichen und technikgeschichtlich relevanten Baugruppen wie z.B. die Motoren, Transformatoren, elektromechanische Steuerungstechnik, Drehgestelle, der Lokkasten oder das Dach blieben jedoch annähernd im Originalzustand erhalten. Lediglich der Farbwechsel von grün auf rot zum 100-jährigen Bestehen der RhB 1989 sorgte für Aufsehen.

Die Maschinen liefen sehr zuverlässig und standen Tag für Tag in ganz Graubünden im Einsatz. Im Lauf ihres Loklebens hatte fast jede der Lokomotiven eine Strecke von über 6 Millionen Kilometer abgespult. Oder noch anschaulicher: Dies entspricht einer Strecke von sage und schreibe 8 Mal zum Mond und zurück oder 150 Weltumrundungen!

Nach 70 Jahren Einsatz bei Sonne, Wind und Schnee ist ihre Zeit nun bald abgelaufen. Mit dem heute erforderlichen Tempo können die Lokomotiven nicht mehr mithalten und – wen wundert’s – ihre Grundkonstitution ist nicht mehr die beste. Die RhB-Geschäftsleitung beschloss 2010, die Lokomotiven dieser Serie sukzessive aus dem Dienst zu nehmen und zu verschrotten. Im November 2010 erfolgte der Abbruch der ersten Lok (Nr. 601) dieser Baureihe. Lediglich die Motoren und weitere brauchbare Teile wurden durch die Hauptwerkstätte in Landquart ausgebaut; der Rest landete auf dem Schrotthaufen in Untervaz. Ein Aufschrei im In- und Ausland hallte durch die «Bahnwelt» der zahlreichen Eisenbahnfreunde. Innert wenigen Tagen trafen bei der Direktion der RhB über 1'500 Unterschriften ein, die mindestens den Erhalt einer Lok dieses Typs forderten. Dem Gesuch ist die RhB-Geschäftsleitung inzwischen nachgekommen.

Zurzeit verrichten noch vier Maschinen ihren Dienst mit Aushubtransporten auf der Baustelle «Albulatunnel II». Nach Abschluss dieser Arbeiten soll in 1-2 Jahren eine Lokomotive in die «Rollmaterialliste historic RhB» aufgenommen werden und eine weitere ist für den Bahnpark Augsburg vorgesehen. Der Erhalt dieser Lokgeneration wäre damit gesichert.  

 

Bilder: Sammlung Gian Brüngger


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